B¨rger Stiftung Stormarn

Neue Impulse beim Thema „Gelebte Integration“

Neue Impulse beim Thema „Gelebte Integration“   - Wird danken Frau Pantelmann für ihren Bericht und die Bilder.

„Ich möchte nicht mit anderen Migranten in einen Topf geworfen werden“

Trittau (mapa). Mit der Reihe „Trittauer Gespräch“ macht die Trittauer Bürgerstiftung mit ihrer Initiatorin Ursula Otten als stellvertretende Vorsitzende auf sich aufmerksam. Den Auftakt machte in der Wassermühle das Thema „Gelebte Integration“. Als Podiumsgäste eingeladen waren Ulrike Rohde und Hildrun Scheidt, die sich um Geflüchtete kümmern. Ebenso dabei waren die gebürtigen Iraner Mustafa Fadavighaffari und Said Izodi sowie der Syrer Abdul Al Kassab.

„Wir wollen auf Augenhöhe miteinander reden. Ein Gespräch führen, das offen sein soll, auch kritisch sein kann. Wie sieht es hier in Trittau aus? Das wollen wir ausloten und etwas Licht hineinbringen“, sagte Ursula Otten zur Begrüßung. Was wäre, wenn wir in ein anderes Land gehen, welche Probleme würden auftreten, gab sie zu bedenken. Mit der Vorstellungsrunde begann Abdul (17), der mit seinen beiden Geschwistern und Eltern seit drei Jahren in Trittau lebt, die Hahnheide-Schule besucht und hier sein Abitur machen möchte. Er schilderte in seinem Beitrag, dass Integration „nichts anderes bedeutet als Kontakt zu anderen zu bekommen. Ohne Sprache ist keine Verständigung und Integration möglich. Ein Jahr Integrationskurs reicht da nicht aus“. Er bezog auch Stellung zur Gesichtsverschleierung. Er könne sich nicht vorstellen, mit einer Frau zu diskutieren, die ihr Gesicht nicht zeigt. Eindringlich sagte er: „Redet mit mir und nicht über mich. Ich möchte nicht mit anderen Migranten in einen Topf geworfen werden.“ 

Weiter ging es mit Ulrike Rohde, die mehr als drei Jahre Deutschunterricht gegeben hat und auch Mütter und Kinder im Blauen Haus betreute. Ein erfolgreiches Projekt der Gemeinde, das sie für sich als „sehr aufschlussreich“ herausstellte. Hildrun Scheidt setzt sich für unterschiedliche Geflüchtete ein, lernt auch wöchentlich bei sich zu Hause mit ihnen Deutsch. Außerdem betreut sie bei einer 6-köpfigen Familien einen Behinderten, der ins Berufsleben integriert werden soll. „Ich bin sehr froh, in diesen Kreis hineingekommen zu sein“, sagte sie und berichtete von aufwendigen Behördengängen, aber auch darüber, wie wichtig es sei, beispielsweise im Gesundheitswesen als Begleitperson dabei zu sein. „Auch für Helfer ist es eine Bereicherung.“ Dazu gab Ursula Otten, die beim Erlernen der deutschen Sprache engagiert ist, den Hinweis, über jeden froh zu sein, der helfen möchte.

Mustafa Fadavighaffari (34) hat im Iran Maschinenbau studiert. Er gab an, was sein Land „voller Fische, Gas, Öl, Berge, historische Momente, gebildete und motivierte Menschen“ alles zu bieten habe. Aber auch, dass „Männer und Frauen, die mit der Regierung nicht einverstanden sind, ins Gefängnis kommen. Und wer sich dagegen wehrt, wird hingerichtet“. Er wollte in ein sicheres Land und hofft darauf, „alle Hürden zu überwinden und Freunde zu finden“. Schwierigkeiten habe er, hier eine Wohnung zu finden, und habe sich schon rund 30 Wohnungen angesehen. „Da wird auch am Telefon schon gleich abgeblockt“, so Hildrun Scheidt. Mit philosophischen Gedanken schilderte Said Izodi (19), der auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz im künstlerischen Bereich ist, seine Eindrücke, die er in „Wirklichkeit und Wahrheit“ gliederte.

Zu Wort kam aus dem Publikum auch der Vermieter von Said: „Diese Familie ist unglaublich höflich, sagenhaft nett, auch etwas distanziert. Ich würde diese Gruppe für die Ewigkeit behalten.“

Andere Besucher gaben an, dass Deutsche gelegentlich aus Unwissenheit glaubten, die Geflüchteten würden großzügiger als gesetzlich Versicherte zum Beispiel beim Zahnersatz versorgt. Doch dazu gab Abdul an, dass im medizinischen Bereich nur die Schmerz- und Notfallversorgung übernommen werde. „Es gibt noch zu viele Vorurteile. Wir sind innerlich noch nicht soweit. Es ist ein langer Prozess“, glaubt eine Besucherin.

Mit einem Videoclip und landestypischen Melodien auf der Sedar begleitete der Iraner Hamet Dastgerdi den Abend. „Wir hoffen, diesen Abend als Multiplikatoren weiterzugeben und uns in Zukunft andere Gedanken machen“, gab Ursula Otten den Besuchern mit auf den Weg.

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