29.10.2026

Stormarner machen Hoffnung in schwierigen Zeiten

Sieben regionale Bürgerstiftungen und 56 Stiftungsfonds vereint die Bürger-Stiftung Stormarn unter ihrem Dach. Beispiele aus Trittau und Reinfeld zeigen, wie Engagement Menschen verbindet.

1 Im Cafe International ist jeder willkommen.
2 Ursula Otten QUER

 

Stormarn Politischer Pessimismus, Verunsicherung und Existenzsorgen - laut einer aktuellen Ipsos-Studie blicken 86 Prozent der Deutschen mit ungutem Gefühl auf Gegenwart und Zukunft. Und viele sind dabei auch noch allein: In Schleswig-Holstein hat jede zweite Person schon Erfahrung mit Einsamkeit gemacht, so ein Report der Techniker Krankenkasse. Doch es gibt zahlreiche Frauen und Männer, die sich unter dem Dach der Bürger-Stiftung Stormarn ehrenamtlich engagieren und für andere Menschen einsetzen.

„Ja, es sind schwierige Zeiten“, sagt Ursula Otten. Doch die Trittauerin klingt keineswegs hoffnungslos. Sie sei fest entschlossen, den Herausforderungen etwas entgegenzusetzen. Otten ist Mitbegründerin der Trittauer Bürgerstiftung. Deren ehrenamtliche Mitglieder sorgen seit mehr als zehn Jahren dafür, dass in der Gemeinde an der Hahnheide immer wieder Projekte starten und Veranstaltungen organisiert werden, die eine gute Gemeinschaft fördern. Besonders gelungen ist das mit dem Café International. Wenn sich freitags die Türen zur Trittauer Wassermühle öffnen, ist von Einsamkeit nichts zu spüren. Die meisten Stühle sind schnell besetzt, es gibt Kaffee, Tee und Kuchen satt. Entstanden ist das Café vor neun Jahren mit dem Gedanken, geflüchteten Menschen Unterstützung anzubieten. Und ihnen einen Raum zu geben, wo sie willkommen sind, ihre Geschichte erzählen können, aber auch in guter Gesellschaft schweigen dürfen. „Wir haben Wohnungen und Kontakte vermittelt, bei Bewerbungen und Anträgen unterstützt“, sagt Ursula Otten.

Besonders glücklich sei sie über die vielen Freundschaften, die im Lauf der Jahre entstanden sind. Aus einem der Cafébesucher ist mittlerweile sogar ein festes Mitglied des Beirates der Trittauer Bürgerstiftung geworden. Saeid Izadi floh 2018 aus dem Iran und fand Zuflucht im Kreis Stormarn. Innerhalb kürzester Zeit hat sich der heute 26-Jährige mit viel Eigeninitiative und der Unterstützung von Ursula Otten ein neues Leben aufgebaut. Heute hilft er selbst anderen Menschen.

Jörg Schumacher, Geschäftsführer Bürger-Stiftung Stormarn

„Ein fabelhaftes Beispiel dafür, was unsere regionalen Bürgerstiftungen leisten können“, sagt Jörg Schumacher, Geschäftsführer der Bürger-Stiftung Stormarn. Als Dachorganisation übernimmt sie alle organisatorischen und administrativen Aufgaben. „Nicht jeder, der sich engagieren oder stiften will, hat Lust auf Papierkram“, sagt Schumacher. „Das übernehmen wir gern und machen das Dank unserer erfahrenen Mitarbeiter auch ziemlich gut.“

Die jüngsten politischen Entwicklungen beschäftigen auch ihn. Zu den Wahlergebnissen der AfD sagt er: „Einige meiner Bekannten, die in Deutschland noch keine Anerkennung haben, machen sich große Sorgen und sind psychisch stark belastet.“ Die Unsicherheit erschwere eine gelingende Integration, viele kämpfen mit traumatischen Fluchterlebnissen. Saeid weiß genau, wie es ist, als „der Fremde“ behandelt zu werden. Dank Ursula Otten und den anderen Ehrenamtlichen der Trittauer Stiftung hat er aber auch erlebt, wie gut es tut, mit offenen Armen von einer Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Diese Erfahrung will er weitergeben.

7 regionale Bürgerstiftungen: Regionales Engagement vor Ort

In Oststeinbek entstand 2010 die erste regionale Bürgerstiftung. Es folgten Barsbüttel, Großhansdorf, Ammersbek, Tangstedt und Trittau. In Stormarns Norden ist die jüngste der insgesamt sieben regionalen Bürgerstiftungen zu Hause: In Reinfeld, der „Karpfenstadt“ zwischen Lübeck und Bad Oldesloe.

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Mit einem Kapital von über 14 Millionen Euro ist die Bürger-Stiftung Stormarn mit Abstand die finanzstärkste Bürgerstiftung in Schleswig-Holstein. Mehr als 400 Ehrenamtliche engagieren sich in der 2007 gegründeten Dachstiftung, die seit ihrem Bestehen 2,3 Millionen Euro für gute Zwecke ausgegeben hat. „Wir haben schnell gemerkt, dass Menschen sich am liebsten dort einbringen wollen, wo sie selbst arbeiten und leben“, sagt Schumacher. Der Heimatort sei ein emotionaler Anker. „Wer Zeit und Geld spendet, erlebt die positiven Auswirkungen gern unmittelbar.“

Die einzelnen Bürgerstiftungen profitieren vom großen Netzwerk der Bürger-Stiftung Stormarn, die 56 Stiftungsfonds betreut. „Wir können aus einer Quelle an Ideen und Erfahrungen schöpfen und vermitteln auf kurzen Wegen wertvolle Kontakte“, sagt Jörg Schumacher. So könne sich jede Stiftung auf den eigentlichen Zweck konzentrieren: Ideen entwickeln, Menschen zusammenbringen und Projekte in die Tat umsetzen. „Darum geht es.“

Wollen Sie sich in Ihrem Heimatort engagieren oder selbst eine Stiftung gründen?

Informationen dazu finden Sie unter www.buerger-stiftung-stormarn.de. Per E-Mail Informieren Sie sich über das Angebot und kontaktieren Sie die Bürger-Stiftung Stormarn unter www.buerger-stiftung-stormarn.de, E-Mail: info@buerger-stiftung-stormarn.de, Telefon: 0 45 37/707 00 13.

3 Gruppe Buergerstiftung Reinfeld Wir hatten schnell das Gefuehl dass wir als Team etwas bewegen koennen.

2025 haben sich dort engagierte Menschen zusammengetan, gemeinsam Ideen entwickelt, Ziele gesteckt und mit einem Startkapital von 42.000 Euro den Grundstock gelegt. „Wir hatten schnell das Gefühl, dass wir als Team etwas bewegen können“, sagt Matthias Volquardts. Als Vorsitzender spricht der Reinfelder Rechtsanwalt für seine Vorstandskollegen und den Stiftungsbeirat, wenn er sagt: „Gerade in der heutigen Zeit mit ihren vielfältigen Herausforderungen erscheint uns der Gedanke des Ehrenamts im Sinn des Miteinander und Füreinander wichtig“. Die Arbeit der jungen Stiftung steht auf zwei Säulen: Dem Grundkapital, das durch Zustiftungen und Spenden wächst. Je größer es ist, desto mehr Gutes kann umgesetzt werden, denn allein Zinserträge und Dividenden können in die Projekte fließen.

Das zweite Standbein der Reinfelder Stiftung sind Menschen, die ihre Zeit spenden. Denn: Geld ist wichtig, gute Ideen sind es auch. Doch ohne engagierte Ehrenamtliche, die mit anpacken, bleibt selbst die beste Idee gut gemeinte Theorie. Das unterstreicht der Ahrensburger Ralph Klingel-Domdey vom Vorstand der Bürger-Stiftung Stormarn mit diesen Worten: „Wir wenden die Dinge nicht durch unsere Meinung zu aktuellen Problemen zum Besseren, sondern durch unser Handeln. Und durch ein konstruktives Ringen um den besten Weg.“ Dazu leistet auch die Dachstiftung aus Sicht ihres Vorstandsvorsitzenden Ernst-Jürgen Gehrke einen enorm wichtigen Beitrag — und das auf vielen gesellschaftlichen Ebenen.

Drei Projekte sind in Reinfeld bereits erfolgreich angelaufen. Lesepaten vermitteln Kindern Freude am Lesen, Naturfreunde kümmern sich um den Neuhöfer Park. Und mit ‚Save the Kids‘ setzt sich die Stiftung für die Sicherheit von Schulkindern ein, indem sie sie mit Warnwesten ausstattet und weitere Ideen für Verkehrssicherheit entwickelt. Für Vorstand Matthias Volquardts ist das erst der Anfang. Er sagt: „Mit unserer Bürgerstiftung verknüpfe ich die Hoffnung, dass Vereine und Ehrenamt auch künftig Reinfeld bereichern und beleben und hierbei finanziell durch die wachsende Bürgerstiftung Reinfeld unterstützt werden.“